Tags

, ,

Ende vergangener Woche wurde die Silicon Valley Bank (SVB) geschlossen (wir berichteten). Kurz danach kollabierte auch die Signature Bank. Es waren die zweit- bzw. drittgrössten Bankschliessungen in der US-Geschichte. Die grösste Pleite war jene der Washington Mutual in der Finanzkrise 2008.

Die SVB hatte Treasuries und Mortgage Backed Securities in der Bilanz, deren Wert in den letzten Monaten rapide abnahm («unrealisierte Verluste»). Die Finanzkrise 2008 lässt grüssen. Interessantes Detail: Joseph Gentile, Chief Administrative Officer bei SVB Securities, war bis kurz vor ihrem Zusammenbruch 2008 Finanzchef bei der Investmentbank Lehman Brothers.

Es ist ein Wunder, dass es nicht häufiger zu Finanzkrisen kommt. So befinden sich die riesigen Schuldenberge längst nicht mehr mit den Vermögenswerten im Gleichgewicht, es werden Unsummen hochtechnologisch und automatisiert um den Globus geschickt, und kaum jemand versteht noch, wie all die innovativen Finanzprodukte funktionieren.

Spätestens seit der Finanzkapitalismus ab den 1980er Jahren zum ökonomischen Primat geworden ist, besteht eine gigantische Zeitbombe. Der globalisierte Vernetzungsgrad schafft hohe Interdependenzen zwischen Staaten, Unternehmen und Bürgern. Das Sprengpotenzial ist enorm. Fällt ein Domino-Stein, kann er das ganze mit ihm verflochtene Gebilde zerstören.

Das Gefährliche am heutigen Finanzsystem besteht darin, dass es eine globale Supermacht darstellt, die keiner mehr durchwegs verstehen und kontrollieren kann. Der Chaostheorie folgend könnte man es als komplexes dynamisches System beschreiben.

Deshalb kann keiner sagen, was passiert, wenn zum Beispiel die seit Herbst taumelnde Credit Suisse (CS) tatsächlich demnächst am Ende wäre. Auch sie hält Positionen jener Art, die der SVB zum Verhängnis wurden. Die CS hat diese verglichen mit den beiden Vorjahren drastisch erhöht. Zusätzlich zu den eigenen Problemen verschärfen US-Bankenpleiten, hohe Zinsen und Inflation die Situation.

Ausserdem hält die CS Leveraged Buyouts Loans. Laut dem Finanzexperten Dirk Müller wiederholen sich Praktiken, die zur Finanzkrise 2008 geführt hatten, jedoch nicht mittels Subprime-Krediten, sondern mit Krediten zwecks Firmenübernahmen. Nach gut laufenden Jahren sei dieser Markt nun wegen gestiegener Zinsen unattraktiv geworden und zusammengebrochen.

Nun eilt die Schweizerische Nationalbank (SNB) der CS zur Hilfe, die kurzfristig liquide Mittel von bis zu 50 Milliarden Franken aufnehmen kann.

Es muss im Hintergrund und in der CS-Teppichetage gewaltig dampfen. Denn zuverlässige Informationen, wie es um die Bank wirklich bestellt ist, sind schwierig zu erhalten. Die Bank, die Behörden, die Finanzmarktaufsicht und die SNB geben sich verschwiegen.

https://transition-news.org/es-dampft-im-finanzsystem